Gold im Depot: Was ändern 5 oder 10 Prozent Gold?
Ein kleiner Goldanteil soll das Depot in Krisen stabilisieren. Wie stark hat er Verluste gedämpft, und wie viel Rendite hat er gekostet? Gerechnet so, wie ein deutscher Privatanleger es erlebt: nach Abgeltungsteuer, Vorabpauschale und Inflation.
Kurz gesagt: 10 % Gold hätten seit 1979 den größten Jahresverlust von rund 43 % auf rund 35 % gesenkt und dafür etwa 0,2 Prozentpunkte reale Rendite pro Jahr gekostet. Nach Steuer und Inflation blieben von gut 10 % nominal nur noch rund 7 % real übrig, mit und ohne Gold.
Das Ergebnis: Weltaktien mit und ohne Gold, 1979–2024
Einmalanlage von 100.000 € zu Beginn 1979, jährlich auf die Zielaufteilung zurückgesetzt, laufende Kosten 0,2 % für den Aktien-ETF und 0,3 % für Gold. Gold mit Auslieferungsanspruch, also nach einem Jahr steuerfrei.
| Aktien / Gold | Nominal vor Steuer | Real vor Steuer | Nominal nach Steuer | Real nach Steuer | Größter Verlust (Jahresende) |
|---|---|---|---|---|---|
| 100 / 0 | 10,3 % | 7,9 % | 9,6 % | 7,1 % | −43,0 % |
| 95 / 5 | 10,2 % | 7,8 % | 9,4 % | 7,0 % | −38,6 % |
| 90 / 10 | 10,1 % | 7,7 % | 9,3 % | 6,9 % | −34,9 % |
| 90 / 10, nie zurückgesetzt | 10,1 % | 7,7 % | 9,4 % | 6,9 % | −42,0 % |
Renditen pro Jahr, nach Steuer einschließlich Verkauf am Ende. Bei kleineren Beträgen fällt das Ergebnis nach Steuer etwas besser aus, weil der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € dann einen größeren Teil der Erträge freistellt. Größter Verlust: nominal, nach Steuer, gemessen an Jahresende-Ständen. Innerhalb eines Jahres waren die Einbrüche tiefer: Monatswerte des MSCI World in Euro zeigen seit 1979 einen größten Verlust von rund 56 % (laut Deltaeffekt, siehe unten).
Was man daraus lernen kann
- Gold dämpft, wenn man es zurücksetzt. Ohne jährliches Zurücksetzen wächst der Aktienanteil von selbst wieder an, und der Schutz verpufft fast ganz (−42,0 % statt −34,9 %).
- Gold hilft oft, aber nicht immer. In 8 der 11 Jahre mit Aktienverlusten seit 1979 stieg Gold. 2008 fielen Weltaktien um 36,5 %, Gold stieg um 7,5 %. 1990 fielen beide: Aktien −26,4 %, Gold −19,0 %.
- Allein war Gold eine schwache Anlage. Gold brachte 1979–2024 rund 3,4 % pro Jahr über der Inflation, Weltaktien rund 8,1 % (jeweils vor Kosten und Steuer).
- Die Steuer kostet bei allen Mischungen etwa gleich viel, rund 0,8 Prozentpunkte reale Rendite pro Jahr. Dass Gold nach einem Jahr steuerfrei ist, macht hier kaum einen Unterschied, weil der Aktien-ETF ohnehin erst beim Verkauf und über die Vorabpauschale besteuert wird.
Die 11 Verlustjahre im Einzelnen
In 11 der 46 Jahre von 1979 bis 2024 machten Weltaktien ein Minus, also etwa in jedem vierten Jahr. So entwickelte sich Gold in genau diesen Jahren:
| Jahr | Weltaktien | Gold |
|---|---|---|
| 1987 | −0,4 % | +1,3 % |
| 1990 | −26,4 % | −19,0 % |
| 1992 | −1,3 % | −1,5 % |
| 1994 | −2,7 % | −11,2 % |
| 2001 | −16,1 % | +7,5 % |
| 2002 | −27,0 % | +1,1 % |
| 2007 | −1,2 % | +14,0 % |
| 2008 | −36,5 % | +7,5 % |
| 2011 | −2,9 % | +21,8 % |
| 2018 | −1,6 % | +3,6 % |
| 2022 | −8,3 % | +6,7 % |
Kalenderjahr, Jahresende zu Jahresende, in Euro beziehungsweise DM, vor Kosten und Steuer. Gold stieg in 8 der 11 Jahre und fiel 1990, 1992 und 1994 mit. Jahresende-Werte verdecken Einbrüche innerhalb des Jahres: 1987 steht hier nur mit −0,4 %, obwohl die Börsen im Oktober 1987 innerhalb weniger Tage um rund ein Fünftel bis ein Drittel fielen.
Die Steuer hängt an der Form, nicht am Namen
- Physisches Gold und Gold-Wertpapiere mit Auslieferungsanspruch (zum Beispiel Xetra-Gold) sind private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG: nach mehr als einem Jahr steuerfrei. Für Xetra-Gold hat der Bundesfinanzhof das 2015 bestätigt (VIII R 35/14).
- Innerhalb eines Jahres gilt der persönliche Steuersatz, sobald alle solchen Gewinne eines Jahres zusammen 1.000 € erreichen. Das ist eine Freigrenze: Ab 1.000 € ist der ganze Gewinn steuerpflichtig.
- Gold-ETCs ohne Auslieferungsanspruch und Goldfonds gelten als Kapitalanlage mit Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer. Dann kostet jedes Zurücksetzen Steuer. Diese Variante ist in der Tabelle nicht gerechnet. Maßgeblich sind die Emissionsbedingungen des konkreten Produkts.
- Praxis: Gold mit Auslieferungsanspruch erst zurücksetzen, wenn die Anteile länger als ein Jahr im Depot liegen, also zum Beispiel Anfang Januar statt im Dezember.
Zum Vergleich
Deltaeffekt hat dieselbe Frage mit Monatsdaten von Dezember 1978 bis März 2026 gerechnet, ohne Steuer und ohne Inflation: 10,29 % pro Jahr für reine Weltaktien, 10,23 % mit 10 % Gold, größter Verlust 55,7 % gegenüber 49,7 % (Artikel „Gold im Depot“). Die Richtung ist dieselbe. Die Renditekosten von Gold fallen dort kleiner aus. Ein Grund ist der längere Zeitraum: Gold ist seit 2024 stark gestiegen, unsere Daten enden 2024.
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