60/40 nach deutscher Steuer: Warum Anleihen Steuer auf die Inflation zahlen
60 % Aktien und 40 % Anleihen gilt als klassische, ruhige Mischung. Nach 2022, als beides gleichzeitig fiel, wurde sie oft für tot erklärt. Jetzt bringen Anleihen wieder Zinsen. Was dabei meist fehlt: Wie viel von diesen Zinsen nach deutscher Steuer und Inflation übrig bleibt.
Kurz gesagt: Seit 1975 brachten deutsche Staatsanleihen 2,8 % pro Jahr über der Inflation, nach Steuer nur noch 1,6 %. Die Steuer nahm den Anleihen über 40 % ihrer realen Rendite, den Aktien nur gut 10 %. Trotzdem haben Anleihen ihre Aufgabe meist erfüllt: Seit 1975 fielen Aktien und Anleihen nur in zwei Jahren gemeinsam, 1994 und 2022.
Das Ergebnis
Weltaktien und deutsche Staatsanleihen als ausschüttende ETFs, jährlich auf die Zielaufteilung zurückgesetzt. Reale Rendite pro Jahr, also nach Inflation.
| Zeitraum, Aktien / Anleihen | 100 / 0 | 60 / 40 | 0 / 100 |
|---|---|---|---|
| 1975–2024, vor Steuer | 7,8 % | 6,2 % | 2,8 % |
| 1975–2024, nach Steuer | 6,9 % | 5,0 % | 1,6 % |
| 1975–1981 (hohe Inflation), nach Steuer | 6,5 % | 4,7 % | 1,2 % |
| 1982–2021 (fallende Zinsen), nach Steuer | 7,0 % | 5,4 % | 2,3 % |
| 2022–2024 (Zinswende), nach Steuer | 4,3 % | 0,3 % | −6,9 % |
Abgeltungsteuer mit Soli, ohne Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag 1.000 €, Teilfreistellung 30 % für Aktien-ETFs und 0 % für Anleihe-ETFs, Vorabpauschale. Laufende Kosten 0,2 % für Aktien, 0,15 % für Anleihen.
Steuer auf die Inflation
Besteuert wird der volle Zins, nicht der Teil, der nach der Inflation übrig bleibt. Ein einfaches Beispiel:
| Anleihe mit 4 % Zins, Inflation 3 % | pro 10.000 € |
|---|---|
| Zinsen | +400 € |
| Abgeltungsteuer und Soli auf die vollen 400 € | −106 € |
| Kaufkraftverlust durch 3 % Inflation | −300 € |
| Echter Ertrag | −6 € |
Ohne freien Sparer-Pauschbetrag. Vor Steuer wäre real 1 % übrig, nach Steuer nichts.
Vor Steuer bleibt 1 % real übrig, nach Steuer gar nichts. Bei Aktien ist das weniger schlimm, aus zwei Gründen: Bei Aktien-ETFs sind 30 % des Gewinns steuerfrei (Teilfreistellung), und Kursgewinne werden erst beim Verkauf besteuert. Bei Anleihe-ETFs gibt es keine Teilfreistellung, und die Zinsen werden jedes Jahr fällig.
Haben Anleihen trotzdem geschützt?
Meistens ja. Seit 1975 gab es in den Daten zwölf Jahre mit Aktienverlusten. In zehn davon stiegen die Anleihen, zum Beispiel 2002 um 8,7 % und 2008 um 11,4 %. Nur 1994 und 2022 fielen beide, jeweils weil die Zinsen schnell stiegen. 2022 verloren die Anleihen 11,2 %.
Die Schutzwirkung hängt also von der Art der Krise ab: Bei Konjunktureinbrüchen haben Anleihen geholfen, bei steigender Inflation und steigenden Zinsen nicht.
Was das für die Praxis heißt
- Anleihen sind steuerlich schlechter gestellt als Aktien-ETFs. Ihr Platz im Depot ist Stabilität, nicht Rendite. Wer sie hält, sollte das bewusst tun.
- Festgeld, Tagesgeld und Anleihe-ETFs werden gleich besteuert. Einen Steuervorteil gibt es bei keinem. Es lohnt sich also, den Zins nach Kosten zu vergleichen.
- Der Sparer-Pauschbetrag wirkt bei Zinsen am stärksten, weil Zinsen jedes Jahr anfallen. Wer ihn nicht für Aktien-ETFs braucht, kann damit rund 1.000 € Zinsen im Jahr steuerfrei stellen.
- Wer wenig anderes Einkommen hat, etwa im Ruhestand, zahlt auf Zinsen oft weniger als 25 %. Die Günstigerprüfung in der Steuererklärung holt den Unterschied zurück.
Einschränkungen
- Unsere Daten enden 2024. Die Zinsentwicklung seit 2025 ist nicht enthalten. Für neue Anleihekäufe zählt vor allem die Rendite zum Kaufzeitpunkt, nicht die Vergangenheit.
- Die Anleihe-Reihe beruht auf der Umlaufsrendite der Bundesbank und liegt im Schnitt etwa 0,3 Prozentpunkte pro Jahr unter dem Rentenindex REXP. Die Aktien-Reihe ist eine frei lizenzierte Nachbildung und liegt etwa 1 Prozentpunkt pro Jahr über dem MSCI World.
- Jahresschritte, heutiges Steuerrecht für alle Jahre.
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